Brasilien: Ein Kampf um Heilsversprechen
Wenn Brasilien im kommenden Jahr erneut seinen Präsidenten wählt, entscheidet das größte Land Südamerikas nicht nur über seinen politischen Kurs. Es geht um Stabilität in einem Staat, der unter Armut, extremer Kriminalität, institutioneller Unsicherheit und einer tiefen kulturellen Spaltung leidet. Der Wahlkampf wird daher zu einem Prüfstein, wer auf die Probleme des Landes die besseren Antworten hat.
Wer im Oktober 10.000 Kilometer weit entfernt zum Präsidenten gewählt wird, ist für Europa weit mehr als ein regionales Ereignis. Brasilien ist ein Schlüsselstaat des globalen Südens und Teil der aufstrebenden BRICS-Staaten. Dieses Bündnis will als Gegengewicht zu westlichen Industrienationen auftreten und sichert seine Mitglieder untereinander ab. Brasilien unterstützt so die BRICS-Partner Russland und seine Politik, sowie China – sehr zum Missfallen der USA. Ein Großteil des in Brasilien angebauten Zuckers, Kaffees und Sojas geht nach Europa: Die Europäische Union ist Brasiliens zweitwichtigster Handelspartner, Brasilien der größte Markt für die EU in Lateinamerika. Für den gesamten Westen ist Brasilien mit seinem größten Anteil am Amazonas-Regenwald ein relevanter Partner, um das als wichtig erklärte Ziel des „Klimaschutzes“ anzugehen.
Intern kämpft Brasilien mit extremer sozialer Ungerechtigkeit, hoher Kriminalität und aufgrund seiner Primär-Exportgüter mit einer schwachen Wirtschaftsleistung. Obwohl die politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten weltweit zunehmen, ist das Land auf dem Weg, zu einem wichtigen internationalen Spieler zu werden.
Die Frage, wer 2026 bis 2030 in Brasília die Geschicke lenkt und dabei entweder auf protektionistische Experimente oder auf einen liberaleren Kurs setzt, hat wirtschaftliche Folgen für Europa. Egal, wie die Präsidentschaftswahlen in Brasilien ausgehen, ist der Kampf um die Stimmen innenpolitisch ein Wettbewerb um die besten Ideen gegen Gang- und Drogenkriminalität und für mehr soziale Gerechtigkeit und Gleichheit – denn Brasilien sieht sich seit Ende der Sklaverei 1888 mit Armut, Kriminalität, Korruption, politischer Polarisierung und sozialer Segregation konfrontiert und ringt um innere Einheit und Gerechtigkeit.
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