Chinas stille Machtergreifung
Die gezielte Aktion der USA in Venezuela samt Entführung von Präsident Maduro ließ etliche Fragen offen. Ging es wirklich nur um die enormen Ölreserven, die sich Trump unter den Nagel reißen will? Oder geht es auch oder gar vor allem um einen Machtkampf mit China?
Wenige Stunden, bevor Langzeit-Präsident Nicolás Maduro (er ist seit 2013 an der Macht) von US-Militärs handstreichartig entführt wurde, empfing er in Caracas hohen Besuch: den Sondergesandten Chinas für Lateinamerika, Qui Xiaoqi. Dabei versicherte ihm dieser die Freundschaft und dass die guten Beziehungen zwischen China und Venezuela die Zeit überdauern würden. Dieses Treffen wurde in keinem chinesischen Medium publiziert – offenbar weil es peinlich offenlegte, dass China von der US-Aktion keine Ahnung hatte.
Die Beziehungen zwischen dem kommunistischen China und dem linkssozialistischen Präsidenten Venezuelas sind tatsächlich eng, auch mit Kuba verbindet die beiden vieles. Chinas Parteichef Xi Jinping verkündete zuletzt im November 2025, man werde dem Land helfen, „seine Souveränität und nationale Sicherheit, die Würde der Nation und die soziale Stabilität zu wahren“.
China lieferte dem Land Rüstungsgüter und Technologie unter anderem für die Ölförderung, im Gegenzug verschuldete sich Venezuela tief. Bezahlen musste das Land, dessen Bevölkerung in Armut lebt, mit Öl. Angeblich schuldet man Peking, das der wichtigste Öl-Kunde ist, mindestens zehn Milliarden Dollar.
Also ist nicht nur die USA interessiert an dem enormen Ölreichtum des Landes, sondern auch China. Das will die USA nun unterbinden und sich das Öl selbst sichern. Dementsprechend empört reagierte Peking, man sei „schockiert“ und verurteile die Gewaltanwendung.
Parlamentspräsident Jorge Rodríguez empfängt den chinesischen Botschafter Li Baorong sehr herzlich (2023). © CommonsWikimedia, Asembla Nacional.
Doch zuvor hatte auch China mit Gewalt gedroht, und zwar gegen Taiwan. Venezuela ist seit vielen Jahren von US-Sanktionen betroffen, die den Ölexport des Landes, vor allem Richtung China, behindern. Auch sind die Anlagen veraltet. Daher kann es nicht so viel Öl fördern und exportieren, wie eigentlich möglich. Um diese Sanktionen zu umgehen und die Fördermengen zu steigern, legte sich China sehr ins Zeug. Es finanzierte die Erneuerung der Anlagen und versuchte mithilfe russischer Schiffe, an das Öl zu gelangen. Nun wirft China den USA vor, die Ölvorräte plündern zu wollen, auf die man es selbst abgesehen hat.
Unbegrenzter Zugang zu allen Inhalten
Gratis Testabo für 4 Wochen
Ein Monatabo oder das
günstigere Jahresabo
Sie sind bereits Libratus-Abonnent?
Melden Sie sich hier an: