„Christentum erwacht in der Türkei zu neuem Leben”
Am 27. November kam Papst Leo XIV. nach Istanbul und feierte auch eine Messe. Aus diesem Anlass haben wir uns auf Entdeckungsreise begeben – in die verborgenen kleinen Kirchen der Stadt.
Von außen ist nichts zu erkennen. Das Gebäude wirkt wie ein altes, gewöhnliches Wohnhaus. Doch im Inneren verbirgt sich der älteste katholische Gebetsort Istanbuls: die heute österreichische, katholische St.-Georgs-Kirche. Zwar stammt das heutige Gebäude aus dem 19. Jahrhundert, aber an dieser Stelle stand bereits 1303 eine Kapelle. 1660 brannte sie nieder.
„Schon vor der christlichen Zeit galt dieser Ort als heilig“, erzählt Alexander Jernej, der heutige Pfarrer. „Der Legende nach stand hier ein Apollo-Tempel mit einer Wasserquelle, die als heilig verehrt wurde“. In christlicher Zeit wurden mit dem Wasser dieser Quelle Kinder getauft.
Der Brunnen ist in der Kirche noch heute sichtbar, wenn auch abgedeckt. Wasser enthält er jedoch nicht mehr. „Als 1871 die unterirdische Standseilbahn unter uns gebaut wurde, versiegte die Quelle“, erklärt der Pfarrer. Später musste der Brunnen aus statischen Gründen wegen der allgegenwärtigen Erdbebengefahr mit Steinen verfüllt werden.
Die Chora Kirche mitten in Istanbul 2013 - vor der Umwandlung in eine Moschee. © CommonsWikimedia.
Mitten im lärmenden Herzen Istanbuls bleiben die kleinen christlichen Kirchen für viele unsichtbar. Inmitten von Menschenmassen, Verkehrschaos und Minaretten nimmt kaum jemand das Läuten der Glocken wahr. Dabei war Konstantinopel einst ein Zentrum des Christentums.
Auch wenn davon heute nur wenig geblieben ist, ist der Zusammenhalt der kleinen Gemeinden umso stärker. Der Vatikan widmet den rund 25.000 Katholiken in der Türkei besondere Aufmerksamkeit. Viermal besuchten Päpste die Stadt: Erstmals Paul VI. im Jahr 1967, zuletzt Papst Franziskus 2014. Ich war damals Korrespondent in Istanbul und erinnere mich, wie einer meiner Cousins, ein Priester, mit dreizehn Nonnen und Mönchen auftauchte, die wir gerne beherbergten und verköstigten.
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