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Caravaggio Gemälde Tod Mariens
Caravaggios "Der Tod Mariens" (Ausschnitt) provozierte zu Beginn des 17. Jahrhunderts enorm: Als Modell für die Muttergottes diente eine stadtbekannte Kurtisane. Es durfte nicht in der dafür bestimmten Kirche aufgehängt werden und befindet sich heute im Louvre in Paris. © CommonsWikimedia.

Darf Kunst Heiliges verhöhnen?

Wie weit darf Kunst gehen? Diese Frage stellt sich akut: In einer Ausstellung in Wien soll eine „humorvolle“ Auseinandersetzung mit christlichen Symbolen stattfinden. Diese geriet zum Skandal. Neben Zustimmung aus Kirchenkreisen gab es auch heftige Reaktionen, bis hin zum Vorwurf, diese sei eine Attacke auf das Christentum und man spucke Christen damit ins Gesicht.

Gudula Walterskirchen | Kultur | 19. Dezember 2025

Im Rom Anfang des 17. Jahrhunderts waren seine Bilder ein Skandal: Michelangelo Merisi, genannt Caravaggio, etablierte nicht nur einen neuen Stil in der Kunstgeschichte, eine Darstellung in Hell-Dunkel wie mit einem Scheinwerfer und extrem realistischer Darstellung. Ins Gerede brachten ihn vor allem seine Motive und Modelle: Für eine Darstellung der Heiligen Katharina und der Maria Magdalena saß ihm eine stadtbekannte Kurtisane namens Fillide Melandroni Modell, mit der er ein Verhältnis hatte. Ebenso nahm er eine Dirne für die liebliche Darstellung der „Madonna di Palrafenieri“ oder das Bild „Der Tod Mariens“ als Vorlage.

Die damalige römische Aristokratie liebte die Provokation, doch auch Kirchenherren und der Papst selbst schätzten den Maler Caravaggio für die Ausgestaltung von Kirchen. Aber es war nicht nur Provokation, sondern der tiefgläubige Maler schälte gleichsam den Kern der Bibelgeschichten heraus: Maria Magdalena war tatsächlich Prostituierte, bevor sie Jesus folgte. Und seine Jünger und jene, die er heilte, stammten aus dem einfachen Volk oder waren gar Ausgestoßene. Daher sprechen uns die Bilder immer noch an. Sie haben etwas zu sagen, eine Botschaft.

Die Frage, wie weit Kunst gehen kann, ist also in etwa so alt wie die Kunst selbst. Und heute?

Wenig religiöses Wissen

Beschränkt man sich auf jene Objekte, die sich mit religiösen Themen beschäftigen oder vorgeben, dies zu tun, erkennt man rasch die Veränderung. Zum einen greift in Europa immer mehr ein christlicher Analphabetismus um sich. Dies hat viel damit zu tun, dass immer weniger Menschen religiös sind und sich mit Religion und religiösen Themen auseinandersetzen. Es fehlt schlicht an Wissen und Tiefe und am willen, sich theologisch zu bilden. Mit der zunehmenden Religionsferne einher geht ein Unverständnis der Botschaften, der Spiritualität und der Bedeutung christlicher Inhalte und Ikonographie. Und es fehlt zunehmend an Verständnis und Respekt vor dem Heiligen an sich, nicht nur im Hinblick auf das Christentum.

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