Das Energiemonster von Kronstorf
Mitten im ländlichen Oberösterreich baut Google ein riesiges Rechenzentrum. Die Politik freut sich, man ist ja für Digitalisierung. Die Anlage wird mehr Strom verbrauchen als alle Haushalte des Landes zusammen. Woher dieser kommen soll, ist jedoch unklar.
Artikel als Audio anhören
Kennen Sie Kronstorf? Vielleicht, wenn Sie Musik lieben, denn hier steht das Wohnhaus von Anton Bruckner. Ansonsten blühte der kleine Ort in Oberösterreich nahe Steyr mit 3500 Einwohnern im Verborgenen. Doch nun rückt er ins Zentrum der Aufmerksamkeit, denn in der Idylle entsteht ein lärmendes, Energie verschlingendes Ungeheuer – zumindest nach Ansicht der Kritiker. Es hat das Zeug, zu einem zentralen Streitthema der im nächsten Jahr anstehenden Landtagswahl in Oberösterreich zu werden.
Worum geht es?
Vor kurzem berichtete Libratus über den enorm ansteigenden Stromverbrauch in Europa – nicht zuletzt durch die Digitalisierung. In Österreich soll der Bedarf sich mindestens verdoppeln – und das bereits bis 2030, also in vier Jahren. Es könnte aber noch mehr werden.
Diese Schätzung erscheint durchaus plausibel, betrachtet man das geplante Rechenzentrum von Google – in Kronstorf in Oberösterreich, mitten auf dem Land. Bereits 2008 hat sich der Konzern dort ein Grundstück gekauft, nun will man bauen, nachdem sonst der Verkauf rückabgewickelt werden müsste. Neben der Bodenversiegelung einer Fläche von 50 Hektar gibt es noch eine Menge weiterer Probleme.
Die - noch - idyllische Flusslandschaft entlang der Enns bei Steyr. © CommonsWikimedia.
So etwa die Kühlung: diese Art von Rechenzentren erzeugen eine extreme Abwärme, sie soll durch Wasser gekühlt werden. Da das Areal aber nicht unmittelbar an einen solchen grenzt, wird ein Teil der Enns umgeleitet. Das ist ein gravierender Eingriff in die Natur und das Wasser wird dadurch erheblich erwärmt- zu warm womöglich für Fische und andere Wassertiere. Umweltfreundlich sieht anders aus. Der Konzern spricht von einem „Fonds zur Renaturierung des Gewässerökosystems“. Na dann.
Fernwärme ohne Abnehmer
Die Abwärme, wird versprochen und von etlichen Medien unkritisch wiedergegeben, könnte für die Fernwärme genutzt werden. Bloß gibt es keinen derartigen Anschluss weit und breit, und Linz ist fast 20 Kilometer entfernt. Der Konzern selbst gesteht ein, dass es bis dato keine Abnehmer gibt.
Das Hauptproblem ist aber die Energie. In den USA müssen mitunter eigene Klein-AKWs errichtet oder alte, deren Lebensdauer eigentlich abgelaufen ist, weiter betrieben werden, um den Energiehunger dieser Rechenzentren zu stillen. So etwa wurde das havarierte AKW Three Mile Island in Pennsylvania wieder in Betrieb genommen für Rechenzentren von Microsoft. 1979 kam es dort beinahe zu einer Kernschmelze und einem Super-GAU. Aber da Kernenergie ja nun „grün“ ist, ist das wohl kein Problem.
Der Google Campus in Mountain View, Kalifornien. © CommonsWikimedia, Austin McKinley.
Österreich leidet bereits derzeit an Energieknappheit, vor allem wegen des fehlenden russischen Gases und des Umstiegs auf Strom. In Oberösterreich gibt es zudem bereits einen Großverbraucher, nämlich die Voest, deren Hochöfen ja wegen der Klimapolitik auf Strom umgerüstet werden. Das neue Google-Rechenzentrum kommt da noch dazu - mit einem riesigen Strombedarf: Es wird mehr Strom verbrauchen als alle Haushalte in Oberösterreich zusammen, nämlich rund 3,5 Terrawattstunden, so die Einschätzung der Austrian Power Grid. Insgesamt sind dies etwa 5 bis 6 Prozent des gesamten Stromverbrauchs in Österreich!
Woher dieser kommen soll? Auf dem Dach, so Google, werden Solaranlagen montiert. Auf der Website des Konzerns spricht man von „klimafreundlichen Innovationen“ mit einem Bild von Solarpaneelen auf der grünen Wiese. Diese werden aber sicher nicht reichen und können auch nicht ständig Strom liefern. Also wie soll das gehen?
Windkraft völlig unrealistisch
Mit Windkraft wird sich das ebenfalls nicht ausgehen, weil viel zu wenig und nicht dauerhaft verfügbar. Es bräuchte etwa 900 zusätzliche Windkraftanlagen dafür allein in Oberösterreich. Völlig unrealistisch also. Eine Möglichkeit bestünde in Atomstrom: das AKW Temelìn ist etwa 150 Kilometer entfernt. Offiziell sagte dazu bisher niemand, ob diese Option infrage kommt. Ganz gleich, woher der Strom kommt: wenn überhaupt dann nur zu einem kleinen Teil aus Erneuerbaren. Die Frage ist, ob bei einer dadurch entstehenden Knappheit am gesamten österreichischen Strommarkt sich dies auf die Strompreise für alle, Wirtschaft und Privathaushalte niederschlägt.
All diese Probleme können die Freude des Bürgermeisters von Kronstorf und des oberösterreichischen Landeshauptmanns Thomas Stelzer nicht trüben, es ist für ihn ein Prestigeprojekt und Beispiel einer „vorausschauenden Standortpolitik“. Ach ja, es sollen etwa 100 Arbeitsplätze entstehen, darunter etliche für Reinigung und Gartenpflege.
"Kluge Raumordnung"
Und Umweltlandesrat Stefan Kaineder von den Grünen meinte 2025 bei einem Besuch in der Klimabündnisgemeinde Kronstorf: „Wir müssen Emissionen senken und uns gleichzeitig besser an die Folgen der Klimakrise anpassen. (…) Wir machen unsere Gemeinden hitzerobust, schwammstadttauglich und hochwassersicher, mit Bäumen, Raum für Gewässer und kluger Raumordnung.“ Ein Ergebnis dieser klugen Raumordnung und dem Gewässer- und Hitzeschutz ist der Bau des neuen Rechenzentrums.
Rechenzentrum Wenatchee bei Washington. © CommonsWikimedia, Tedder.
Google hat vor allem durch den Einsatz von KI einen enorm steigenden Bedarf an Rechenzentren. Weltweit betreibt es derzeit 29 Standorte, 9 davon in Europa, 15 in den USA, die übrigen in Asien und Südamerika. Auffallend ist die hohe Zahl jener, die derzeit gebaut werden, es sind weltweit 15. Österreich ist noch nicht inbegriffen. Doch was steckt hinter dem Bauboom? Ist es nur die KI?
Rechenzentren sind ein riesiger Markt. Bis Ende 2024 wurden bereits 1200 derartiger Zentren allein in den USA errichtet. Allein in den USA haben die Konzerne Meta, Google, Microsoft, OpenAI und Amazon mehr als 325 Milliarden Dollar investiert. Für Google ist es ein riesiges Geschäft, da sich andere, wie etwa Meta, einmieten. Doch es geht noch weiter. In nächster Zeit wollen die IT-Giganten weitere 665 Milliarden Dollar investieren - man spricht bereits von einem irren Wettlauf und einer gefährlichen Blase.
Lärm und Energiemangel
In den USA beschweren sich die Anrainer auch über den Lärm, denn Server und Kühlaggregate brummen Tag und Nacht. Da in den USA nicht mehr genügend Energie vorhanden ist, verlagert man nun offenbar immer mehr Standorte nach Europa, wo ja auch die Nutzung von KI und die Digitalisierung nicht zuletzt von der Politik massiv vorangetrieben werden. Doch in Europa ist Energie noch knapper – und auch der verfügbare Boden. Beides fehlt letztlich der Landwirtschaft und den produzierenden Betrieben.
Der Wettlauf der Rechenzentren ist ein Wettlauf um KI zwischen den Tech-Giganten. „Ich weiß nicht, ob die um Geld oder Steaks zum Dinner oder was auch immer wetteifern, aber es ist verrückt, wie viel sie hochziehen“, sagte ein Vertreter der Behörde für wirtschaftliche Entwicklung im County der „New York Times“, berichtet die Wirtschaftswoche. Für diese Verrücktheit soll nun auch Österreich einen hohen Preis zahlen.♦
Anmerkung der Redaktion
Dieser Artikel ist, wie alle im Libratus Magazin, gänzlich ohne KI und ChatGPT verfasst, (die nebstbei enorme Energie verschlingen) sondern gänzlich mit den Mitteln des traditionellen journalistischen Handwerks und menschlicher Nachforschungen, sowie menschlicher KI = kritische Intelligenz.