Die Gräber der Hisbollah
Zwischen den Ruinen von Beirut steht ein Friedhof, in dem die Leichname von Hisbollah-Kämpfern aus allen Teilen des Nahen Ostens zusammenlaufen, in denen die Bewegung gekämpft hat. Folgt man den Orten ihres Todes, wird deutlich, dass der aktuelle Krieg zwischen nur die jüngste Etappe eines jahrzehntelangen Konflikts zwischen Israel und den Iran ist, der lange Zeit indirekt geführt wurde. Ein Gegensatz, der nun in eine Phase eingetreten ist, die zur endgültigen Abrechnung werden könnte. Eine Reportage und Analyse.
Beirut. Wer die Hintergründe des Konflikts verstehen will, der heute die Vereinigten Staaten und Israel dem Iran und der Hisbollah gegenüberstellt, sollte an einem Ort beginnen, der zunächst unscheinbar wirkt: dem Friedhof Rawdat al-Hawra. Fernab der großen politischen Bühnen erzählt er eine Geschichte, die oft mehr erklärt als jede Analyse – weil sich in ihm die Spuren jahrzehntelanger Kriege verdichten.
Dorthin zu gelangen, ist dieser Tage ein riskantes Unterfangen. Der Friedhof liegt im Herzen von Dahieh, der südlichen Vorstadt von Beirut – einer Hochburg der Hisbollah, die seit Wochen Ziel anhaltender israelischer Luftangriffe ist. Der Weg führt durch Straßenzüge, die von Raketen aufgerissen wurden: ausgebrannte Fassaden, eingestürzte Dächer, ganze Häuserblocks, die zu grauem Staub zerfallen sind. Es ist eine Landschaft, die den Krieg nicht nur zeigt, sondern in sich trägt.
Und doch wirkt der Friedhof selbst fast geordnet. Unter einer breiten Überdachung stehen die Gräber in langen, exakt ausgerichteten Reihen. Auf jedem von ihnen: das Porträt eines jungen Mannes, meist lächelnd, mit festem Blick. Es sind Gesichter, die sich ähneln – und doch jeweils für ein Leben stehen, das abrupt endete und in der Erinnerung zur Erzählung von Opfer und Märtyrertum wurde. Hier liegen die gefallenen Kämpfer der Hisbollah.
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