Die Neuordnung der Welt und die Machttektonik
Seit Beginn dieses Jahrhunderts hat es gewaltige tektonische Verschiebungen in der internationalen Ordnung gegeben. Das politische Kräfteverhältnis in der Welt hat sich verschoben; durch die wirtschaftliche Entwicklung wurden einige Länder gestärkt, andere geschwächt; das hat sich auch auf das kulturelle Selbstbewusstsein ausgewirkt. Die alte Ordnung, geprägt durch den Kalten Krieg, hat Auswirkungen auf die neue.
Der Ausgang des Kalten Krieges war lange Zeit offen. Als Paul Kennedy 1987 seinen Bestseller „The Rise and Fall oft he Great Powers“ veröffentlichte, glaubten viele, die für den Niedergang einer Großmacht angeführten Gründe, Überdehnung der Machtansprüche und Überschuldung, würden vor allem die USA betreffen. Doch es kam anders. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Sowjetunion und der Schein- Charakter des politischen Systems führten zur Implosion des Landes und zum Zusammenbruch des Ostblocks.
Der Sieg der USA im Kalten Krieg hat die bestehende Weltordnung neu ausgerichtet. War die nach dem Zweiten Weltkrieg etablierte Ordnung sehr stark von zwei Supermächten dominiert, so sprach man jetzt von einem „unipolaren Moment“, von der alleinigen Vorherrschaft der USA. Der Stanford- Politologe Francis Fukuyama fand weltweite Zustimmung, als er das „Ende der Geschichte“ proklamierte. Nach dem Scheitern des Kommunismus hätten sich Demokratie und Kapitalismus weltweit durchgesetzt. Und das sollte, unter amerikanischer Führung, auch so bleiben. In den USA wurden die Neokonservativen eine bestimmende Kraft, überzeugt vom „American Exceptionalism“. Demnach sind die USA eine auserwählte Nation, dazu bestimmt, die Welt zu führen.
800 Militärbasen weltweit
Nicht unwesentlich ist, dass Länder wie China oder der Globale Süden an den Grundsätzen von nationaler Souveränität und territorialer Integrität eines Landes festhalten, wie sie in der Satzung der Vereinten Nationen festgelegt wurden. Und während Hillary Clinton erklärte, „die Zeit der Interessensphären ist vorbei“-eine etwas eigenartige Feststellung für die Außenministerin eines Landes, das 800 Militärbasen auf der ganzen Welt unterhält, bestehen Russland und China darauf, dass jedes Land legitime Sicherheitsinteressen haben kann.
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