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Sergio Mattarella und Borut Pahor in Rom
Sergio Mattarella und Sloweniens Präsident Borut Pahor beim Blick vom Quirinal auf Rom 2022. © CommonsWikimedia, Quirinale.

Die umstrittene "Gnade" des Präsidenten

Italien ist zwar noch eine Republik, weist jedoch zunehmend Merkmale einer Monarchie auf. Der italienische Staatspräsident Mattarella steht im Zentrum eines peinlichen Skandals um eine umstrittene Begnadigung.

Manfred Manera | Politik | 12. Juni 2026

Im Quirinalspalast in Rom, wo einst der König residierte, wohnt heute der Präsident Italiens. Am 2. Juni wurde der 80. Jahrestag der italienischen Republik gefeiert, zum Gedenken an das Referendum vom 2.Juni 1946, das das Ende der Monarchie besiegelte. Doch fragen sich viele Italiener heute: Ist Italien wirklich noch eine Republik? Das Amt wird seit mehr als einem Jahrzehnt von Sergio Mattarella besetzt, einem sizilianischen Politiker, der etwas starrköpfig scheint und dessen Rhetorik oft etwas fade wirkt. Eigentlich hätte seine Amtszeit laut Verfassung nur sieben Jahre dauern sollen, doch diese Bestimmung wurde 2022 über alle Maßen gedehnt, um ihm weitere sieben Jahre zu gewähren. Somit wurde er letztendlich zum „Dominus“, zum Dinosaurier der italienischen Politik.

Wie vormals der König hat der Präsident auch die Befugnis, Verurteilten eine vorzeitige Begnadigung zu gewähren. Mattarella war immer wenig zur Milde geneigt. In seiner zweiten Amtszeit hat er von 1700 Anträgen gerade einmal 35 bewilligt. Normalerweise sollte sie aus humanitären Gründen an Personen gewährt werden, die bereits einen Teil ihrer Strafe verbüßt haben. Im April enthüllte jedoch ein Fernsehbericht, dass sie im Februar in Rekordzeit – innerhalb von nicht einmal sechs Monaten – Nicole Minetti gewährt worden war. Minetti war die Zahnhygienikerin und Freundin von Silvio Berlusconi, dem früheren Ministerpräsidenten. Sie stand im Mittelpunkt der Partys mit jungen Frauen, die sie in seinen Residenzen mitorganisierte. Das berüchtigte „Bunga, bunga“.

Damals brach der Skandal aus, weil eine Minderjährige, eine 17-Jährige namens Ruby, darin verwickelt war, die von der Polizei angehalten worden war und die Berlusconi und sein Gefolge als Nichte des ägyptischen Präsidenten Mubarak auszugeben versucht hatten. Nicole Minetti wurde wegen Beihilfe zur Prostitution und wegen Unterschlagung als Regionalrätin der Partei Berlusconis zu drei Jahren gemeinnütziger Arbeit verurteilt.

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