
Die unfreiwilligen „Helden“
Die Ukraine hat ein Problem mit der Rekrutierung neuer Soldaten. Das liegt nicht nur daran, dass so viele an der Front sterben. Die Ursache sind auch gravierende Missstände bis hin zu Folter in der eigenen Armee. Nun macht die EU den Erfüllungsgehilfen. Dies wirft eine Menge Fragen auf.
Die Lage der ukrainischen Soldaten machte immer wieder Schlagzeilen: Ukrainische Soldaten seien knapp vor dem Verhungern und Verdursten, berichteten Angehörige. Es gebe eine überlange Dauer des Einsatzes, die Erschöpfung sei massiv – so man nicht zuvor an der Front ohnehin fällt. Über die Gefallenen gibt es keine zuverlässigen Zahlen, übrigens auch nicht auf seiten Russlands. Es häufen sich Fälle von Korruption und Unfähigkeit im Militär, es gibt eine Reihe von Rücktritten. Jüngst erst wurden der oberste Armeechef und der Verteidigungsminister ausgewechselt. Das Personalkarussell dreht sich immer schneller, immer sind andere aus der Umgebung Wolodymyr Selenskijs schuld, die er flugs auswechselt. Verteidigungsminister Mychailjo Fedorow war nicht korrupt, sondern wohl zu populär und hätte Selenskij gefährlich werden können. Denn auch er selbst steht immer mehr unter Druck seiner Landsleute.
So etwa gibt es seit Jahren massiven Protest gegen die brutale Rekrutierung, Männer werden regelrecht auf der Straße „eingefangen“.
Nach Angaben von Präsident Selenskij wird nach mehr als zwei Millionen Wehrpflichtigen gefahndet. Die Rekrutierungskommandos der Armee, die monatlich 34.000 Männer mobilisieren, stoßen häufig auf Widerstand der Betreffenden. Die Männer wehren sich mit allen Mitteln, sogar mit Waffengewalt, weil sie nicht eingezogen werden und dann an die Front wollen. Laut dem Menschenrechtsbeauftragten des ukrainischen Parlaments, Dmytro Lubinez, kommt es regelmäßig sogar zu Todesfällen. Erst vor wenigen Wochen wurden Prügel, Folter und Quälerei rekrutierter Männer einer Einheit aufgedeckt.

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