Digitalisierung, die wie bei Kafka endet
Die Digitalisierung und die KI sollen alles einfacher, schneller und bequemer machen. So behauptet es jedenfalls die Politik. Und es sollen Zeit und Personal eingespart werden. Der Praxistest sieht anders aus. Mitunter verirrt sich der Bürger in kafkaesken Labyrinthen, aus denen auch keine KI heraushilft.
Neulich war ich bei der Post, ich wollte einen Brief aufgeben. Es gibt dort keine Menschen mehr, sondern nur ein elektronisches System. Leider funktionierte der Bezahl-Terminal nicht. Es kam eine Meldung: Bitte wenden Sie sich an die Mitarbeiter beim Schalter oder versuchen Sie es erneut. Bloß: es gab eben keinen Schalter und keine Mitarbeiter.
Ein weiteres Beispiel: Sie alle kennen die Strichcodes, die auf jedem Produkt aufgedruckt sind. Sie ersetzen nicht nur die alten Preispickerl, an die sich nur mehr Menschen weit jenseits der 50 erinnern. Sie sind auch sonst unverzichtbar für Verkauf und Logistik. Wenn man also ein Produkt in den Verkauf bringen will, braucht man einen Strichcode.
GLN???
Doch wo bekommt man den? Wir sind zwar in der EU, aber jedes Land hat eine eigene Agentur, die diese Strichcodes vergibt. Gegen Gebühr, versteht sich. Man kann diesen Code an sich ganz einfach via Internet, also digital, bestellen und erhält diesen recht prompt geschickt. Doch die Sache hat einen Haken. Man muss dazu ein Online-Formular ausfüllen. In diesem wird, neben den üblichen Daten, auch nach einer GLN-Nummer gefragt. Die wenigsten Menschen haben je davon gehört. Man kennt die Steuernummer, die Firmenbuchnummer – aber was ist eine GLN?
Eine kurze Suche im Internet ergibt, dass es sich um eine internationale Nummer zur Identifizierung von Unternehmen handelt, die von der Behörde bei der Anmeldung bzw. Eintragung der Firma vergeben wird. Kein Problem, dann fragt man einfach nach, welche Nummer seine Firma hat. Doch weit gefehlt, diese Nummer ist offenbar ein streng gehütetes Geheimnis, obwohl sie eigentlich öffentlich ist.
Unbegrenzter Zugang zu allen Inhalten
Gratis Testabo für 4 Wochen
Ein Monatabo oder das
günstigere Jahresabo
Sie sind bereits Libratus-Abonnent?
Melden Sie sich hier an: