Dritter Weltkrieg auf Verdacht?
Schon wieder gab es Drohnenalarm in einem Nato-Land: Russland habe Rumänien angegriffen. Der Bündnisfall der Nato wurde umgehend gefordert. Nach Prüfung der Umstände sah die Gefahrenlage jedoch anders aus. Der Dritte Weltkrieg wurde nochmals abgesagt. Es ist ein gefährliches Spiel mit dem Feuer.
Ende Mai ging eine Eilmeldung an alle Redaktionen, die flugs die Schlagzeilen dominierte: „Angriff auf Rumänien! Russische Drohne trifft Wohnhaus in Rumänien“ – so und ähnlich lauteten die Schlagzeilen, etwa bei der deutschen „Bild“. Und die „Frankfurter Rundschau“ titelte: "Putins Schattenkrieg erreicht NATO-Land".
Sogleich reagierten die Staats- und Regierungschefs der europäischen Nato-Länder sowie die Nato in Person des Generalsekretärs Mark Rutte: die Nato werde „jeden Zentimeter“ verteidigen. Der rumänische Staatspräsident Nicosur Dan wollte eine „angemessene Reaktion“. Polens Donald Tusk wollte gleich den Bündnisfall ausrufen, Deutschlands Kanzler Friedrich Merz sicherte Rumänien „Bündnistreue“ zu: „Der Vorfall zeigt erneut: Wir brauchen eine starke Nato-Präsenz an der Ostflanke. Wir sind bereit, das Bündnisgebiet zu verteidigen.“
USA zurückhaltend
Im Gegensatz zu Europa hielten sich die USA auffallend zurück, so wollte etwa Außenminister Marco Rubio zuerst einmal abwarten, bis die Sache geklärt sei. Doch offenbar gibt es hier keine einheitliche Linie: Der US-Botschafter bei der Nato, Mark Whitaker, verurteilte den „rücksichtslosen Einfall in das Territorium“ eines Nato-Partners. Die USA stünden an der Seite Rumäniens, schrieb er auf X. Man werde „jeden Zoll des Nato-Territoriums verteidigen“.
Russland dementierte umgehend, dass es sich um einen Angriff gehandelt habe, sondern um einen Kollateralschaden der Kämpfe im Nachbarland Ukraine. Man forderte eine Überprüfung des Vorfalls.
Die europäischen Botschafter, unter ihnen jene des neutralen und Nicht-Nato-Landes Österreich Beate Meindl-Reisinger, bestellten den jeweiligen russischen Botschafter ein und legten offiziell Protest gegen den Angriff auf ein Nato-Land ein.
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