Einfluss heißt nicht Sicherheit!
Die internationale Politik leidet seit langem unter der Verwechslung von Sicherheit und Einfluss. Auch Großmächte können diese Unklarheit ausnutzen, indem sie Interventionen als „defensiv“ rechtfertigen, während sie in Wirklichkeit Kontrolle anstreben. Für kleinere Staaten ist Neutralität die beste Lösung. Eine Neubetrachtung der Grenzen zwischen Großmächten.
Nur wenige Konzepte in den internationalen Beziehungen sind so umstritten wie „Einflusssphären“. Von der kolonialen Aufteilung im 19. Jahrhundert bis zur Teilung Europas im Kalten Krieg haben Großmächte wiederholt das Recht beansprucht, in die Politik, Wirtschaft und Sicherheitsvorkehrungen ihrer Nachbarn einzugreifen. Dieser geläufige Begriff vermischt jedoch zwei sehr unterschiedliche Vorstellungen: das legitime Bedürfnis der Großmächte, eine feindliche Einkreisung zu verhindern, und den unrechtmäßigen Anspruch der Großmächte, sich in die inneren Angelegenheiten schwächerer Staaten einzumischen. Ersteres lässt sich besser als Sicherheitssphäre beschreiben, Letzteres als Einflusssphäre.
Diese Unterscheidung zu erkennen, ist mehr als nur eine semantische Frage. Sie verdeutlicht, was in der Weltpolitik als legitim akzeptiert werden sollte und was abgelehnt werden sollte. Sie hilft auch dabei, historische Doktrinen wie die Monroe-Doktrin und ihre spätere Neuinterpretation im Roosevelt-Corollary neu zu bewerten. Und sie beleuchtet die aktuellen Debatten zwischen Russland und China auf der einen Seite und den USA auf der anderen Seite über die nationale Sicherheit.
Schließlich weist sie auf Neutralität als praktische Politik für kleinere Staaten hin, die zwischen Großmächten gefangen sind: Neutralität respektiert die Sicherheitsbedenken ihrer mächtigen Nachbarn, ohne sich ihrer Dominanz oder ihren Einflusssphären zu unterwerfen.
Definition der Unterscheidung
Ein Einflussbereich ist die Ausübung von Kontrolle durch eine Großmacht über die inneren Angelegenheiten eines anderen Landes. Er impliziert, dass der mächtige Staat die Innen- und Außenpolitik schwächerer Staaten in seinem Einflussbereich diktieren oder stark beeinflussen kann und damit deren Souveränität unterordnet. Einfluss kann durch militärische Gewalt, wirtschaftliche Hebelwirkung, politische Einmischung oder kulturelle Dominanz ausgeübt werden. Die zugrunde liegende Logik ist hierarchisch: Starke Staaten haben das Recht, schwächere zu verwalten.
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