Gewalt beginnt mit der Sprache
Vor der realen Gewalt, etwa vor dem Ausbruch eines Krieges, erfolgt eine Veränderung in der Sprache. Dies zeigen zahlreiche historische und aktuelle Beispiele. Denn Sprache kann Realität schaffen, im Positiven wie im Negativen. Daher sollten besonders Politiker, die Macht besitzen, verantwortungsvoll und achtsam damit umgehen.
Als ich das erste Mal aus dem Mund des deutschen Bundeskanzlers das Wort „Kriegswirtschaft“ hörte, schauderte ich. Es erinnerte doch sehr stark an die 1930er Jahre. Auch damals hatte man den Menschen die Notwendigkeit einer Umstellung mit gleichzeitigen Vorteilen angepriesen. Und tatsächlich führte sie zu einem im damaligen, von Inflation und Börsenkrach gebeutelten Europa, zu einem allseits bewunderten Wirtschaftswunder. Allerdings handelte es sich um ein Strohfeuer, in dem dann Millionen Menschen verbrannten – ihr Geld und ihr Leben verloren.
Was damals und heute in der allgemeinen Euphorie vergessen wird: Für eine Kriegswirtschaft braucht es einen Krieg. Und da die Menschen an sich den Krieg ablehnen, weil er für sie stets Leid und Tod bringt, muss man sie darauf einstimmen. Das zeigte sich etwa bereits vor dem Ersten Weltkrieg. Besonders treffsicher und scharf formulierte es damals Karl Kraus, einer der wenigen Warner, der dafür von seinen Kollegen attackiert und ausgegrenzt wurde. In seiner Tragödie „Die letzten Tage der Menschheit“ lässt er in einem der Dialoge zwischen Optimist und Nörgler, den er selbst verkörpert, die „Fronten“ aufeinanderprallen: dem einen verkörpert der Krieg Reinigung, Solidarität, Begeisterung, Patriotismus, Heldenmut, man sterbe für ein „Ideal“. Darauf der Nörgler: „Das Übel gedeiht hinter dem Ideal am besten.“
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