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Iran Protest Neyashabur
Eine der wenigen, heimlichen Aufnahmen der Proteste vom Jänner, hier in Neyashabur, Iran. Darauf sind nur unbewaffnete Demonstranten zu erkennen. © CommonsWikimedia.

Hilferuf aus dem Iran!

Seit der Revolution 1979 herrscht im Iran durch die Machtübernahme der Mullas der politische Islam. Das hat enormen Einfluss auf die Innen- und Außenpolitik: systematische Verachtung der Menschenrechte durch die geltende Scharia - besonders der Rechte der Frauen -, staatlich geduldeter und geförderter Judenhass, sowie Verfolgung der Christen gehören zur täglichen Realität. 

Paulus Irani | Kommentar | 30. Januar 2026

Deswegen kommt es immer wieder zu Protesten, die gewaltsam niedergeschlagen werden. Ende Dezember 2025 begannen abermals Streiks und friedliche Demonstrationen gegen die künstlich herbeigeführte Teuerung. In den Folgetagen schlossen sich immer mehr Menschen an und Millionen von Menschen äußerten auf der Straße den Wunsch nach einem Regierungswechsel, da die Iraner überzeugt sind, dass es unter dem bestehenden Regime für sie keine Aussicht auf Besserung oder Änderung gibt.

Die Menschen auf den Straßen forderten in Sprechchören das Ende der islamischen Regierung und des Mullah-Regimes.  Wie erwartet wurden die friedlichen Demonstrationen durch die Revolutionsgarde mit brutaler Waffengewalt niedergeschlagen: es wurde gezielt auf die wehrlosen Menschen geschossen – Familien, Kinder, Alte, Jugendliche, sogar auf schwangere Frauen. Verletzte, auf der Straße zurückgebliebene Menschen, wurden gezielt mit Kopfschüssen exekutiert.

Iran Demo Instagram webDas Internet ist zwar gesperrt, dennoch gibt es in den sozialen Medien mittlerweile einige heimlich aufgenommene Videos der Demonstrationen. © Sreenshot Instagram.

Was sich derzeit im Iran abspielt, sprengt jede menschliche Vorstellungskraft. Die Menschen im Iran melden furchtbare Gräueltaten: die offizielle Zahl der Toten beläuft sich inzwischen auf mehr als 36 000 – Leichenhäuser und Hallen sind überfüllt und die Angehörigen müssen unter der Unmenge von Toten ihre Kinder und Verwandten suchen. Für die Aushändigung der Leichen wird eine hohe Geldsumme verlangt. Weiters bleibt unerklärbar, wohin die Leichen von vielen Frauen und Mädchen verschwunden sind und warum sie nicht ausgehändigt werden.

Zur Gewalt kommt auf diese Weise auch noch der Psycho-Terror, der auf die Angehörigen ausgeübt wird. In einem Interview bestätigte der Chef der bekannten Augenklinik Farabi in Teheran, dass gezielt auf die Augen der Demonstranten geschossen wurde, sodass viele ihr Augenlicht verloren haben. Weiters konnten dutzende Fotos veröffentlicht werden von Opfern mit gebundenen Händen, die sofort nach ihrer Verhaftung erschossen wurden.

Im Krankenbett erschossen

Laut Augenzeugenberichten drang die Revolutionsgarde sogar in Krankenhäuser ein und verschleppte Ärzte und Pfleger, die sich weigerten, Patienten an sie auszuliefern; Verletzte Demonstranten wurden auf den Stationen in ihren Betten und in den Operationssälen erschossen. Inzwischen wurden bereits einige Ärzte verhaftet, weil sie verletzte Demonstranten medizinisch versorgt hatten – ihnen droht die Todesstrafe. Man versucht nun Mithilfe der Intervention aus dem Ausland, die Hinrichtung jener zu verhindern, deren Identität und Namen bereits offiziell bekannt gegeben wurden. Laut der Berichte von verwandten Angehörigen entnehmen Ärzte, die auf der Seite des Mullah-Regimes stehen, bei Verletzten und Verhafteten innere Organe; bei Frauen wird oft die Gebärmutter entfernt.

Iran LeichenhalleAus verschiedenen Städten gibt es Aufnahmen aus überfüllten Leichenhallen. © Screenshot Instagram.

Verhaftete Demonstranten werden ohne jeden rechtlichen Beistand zum Tode verurteilt und hingerichtet. Darunter sind auch sehr viele Neuchristen, die vom Islam zum Christentum konvertiert sind: die Regierung vermeldete offiziell, dass sie als Spione Israels und Amerikas gelten und deshalb zum Tode verurteilt werden. Die genaue Zahl der verhafteten und hingerichteten Neuchristen ist noch unklar.

Im Norden des Iran liegt die Stadt Rascht. Auch sie wurde in besonderer Weise Schauplatz des unbeschreiblich brutalen Vorgehens der Revolutionsgarde. Ein Augenzeuge berichtet, dass sich am 7. Jänner die Menschen gegen 19 Uhr auf der Straße versammelt hatten und unbewaffnet in einem friedlichen Demonstrationsmarsch Richtung Bazar der Stadt unterwegs waren. Die Zahl stieg immer mehr an und kurz vor dem Bazar (geschlossenes Marktgebiet) begann die Revolutionsgarde, die Menschen anzugreifen. Als die Menge, um sich zu retten, in den Bazar floh, wurde dieser von der Garde in Brand gesetzt. Die eintreffende Feuerwehr wurde am Löschen gehindert. Demonstranten, die mit erhobenen Händen aus dem Bazar kamen, um dem Feuer zu entfliehen, wurden erschossen. Der Großteil der Menschen, unter ihnen auch Kinder, kam in der Flammenhölle um.

Damages in Rasht 11 Tasnim 2026webAusgebrannter Bazar in Rascht. Von Regierungsseite heißt es, die Zerstörungen seien von den Aufrührern verursacht worden. © CommonsWikimdia, Tasnim.

Es gibt noch viele weitere Berichte und Millionen von Augenzeugen, die auch Videos mit ihren Handys und Fotos als Beweise vorbringen können. Unterdessen kursieren in Europa und in der westlichen Welt Gerüchte und gezielte Falsch-Informationen, die versuchen, die Wahrheit zu vertuschen. So wurde etwa behauptet, der Mossad sei verantwortlich für das Massaker unter der iranischen Bevölkerung und habe diese umgebracht. Fakt ist jedoch, dass seit der Machtübernahme der Mullahs 1979 jeder Ruf nach Menschenrechten und Freiheit vom Regime brutal niedergeschlagen wird und auch keine Kritik geduldet wird.

Wir dürfen vor diesem unermesslichen Leid und den unfassbaren Menschenrechtsverletzungen die Augen nicht verschließen, sondern müssen die Menschen im Iran durch unser Gebet und konkrete Taten unterstützen. Auch die Politik ist gefragt: die Revolutionsgarde des Iran sollte längst als terroristische Einrichtung eingestuft werden, denn sie ist nicht nur für die Bevölkerung innerhalb des Iran eine Gefahr, sondern auch für die demokratische Struktur der westlichen Welt.

Das Ignorieren dieser politischen Situation im Iran wird auch für die Zukunft Europas schwerwiegende Konsequenzen haben.♦

Paulus Irani

Beim Namen Paulus Irani handelt es sich um ein Pseudonym, um den Autor zu schützen. Er floh mit seiner Familie vor dem Regime aus dem Iran und konvertierte zum Christentum. Viele seiner Angehörigen leben noch heute im Iran, daher bezieht er von dort viele direkte Informationen. Teilweise sind auch sie Christen und sind, da Apostasie mit dem Tod bestraft wird, in ständiger Gefahr.