
Hormuz: Wo der Krieg vorbeizieht
Die Blockade der Straße von Hormuz durch den Iran bereitet der Weltwirtschaft zunehmende Probleme. Handelsschiffe stauen sich, Waren kommen nicht durch, Preise steigen. Der lokale Handel hingegen ist reger denn je – und machen die Sanktionen gegen den Iran teilweise wirkungslos. Eine Reportage.
Von der Küste Omans mit Blick auf die Straße von Hormus sieht Gabriele Micalizzi große Schiffe vor Anker liegen, während Drohnen und Raketen den Himmel durchqueren. Rundherum verbindet ein ununterbrochener Strom kleiner und schneller Boote die beiden Ufer, während am Horizont die iranische Küste zu sehen ist. Der italienische Fotojournalist ist bis nach Kumzar, dem letzten omanischen Dorf vor dem Iran, gelangt, um den Krieg von einem der strategisch wichtigsten Orte der Welt aus zu erzählen.
„Die beiden Ufer der Meerenge, auf der einen Seite Oman und auf der anderen Iran, sind seit jeher miteinander verbunden und verflochten. Die Bewohner der beiden Küsten kennen sich und treiben seit Generationen miteinander Handel. Diese Beziehungen bestehen auch während des Krieges fort. Und genau das zeigt, wie schwierig es ist, den Iran vollständig zu isolieren. Oman kann und will diese Kontakte nicht unterbrechen: Das Land unterhält Beziehungen zu den Vereinigten Staaten, hat aber gleichzeitig tägliche Verbindungen zum Iran.“
Schnellboote im Einsatz in der Meerenge von Hormuz. © Micalizzi.
Ausgehend von diesem Widerspruch beginnt die Reise von Gabriele Micalizzi, einem Mailänder Fotojournalisten, Jahrgang 1984. Seit mehr als fünfzehn Jahren dokumentiert er Konflikte mit seiner Kamera: von Afghanistan über Libyen, den Gazastreifen und den Irak bis hin zu Syrien und der Ukraine. Im Laufe seiner Karriere wurden Micalizzis Bilder in internationalen Medien wie der „New York Times“, dem „Wall Street Journal“, „Le Monde“, „La Repubblica“ und „Die Zeit“ veröffentlicht. Sein Gesicht trägt noch immer die Spuren eines der Erlebnisse, in denen der Krieg ihn selbst getroffen hat.

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