Maschhad - wo Trauer zu Macht wird
In einer Zeremonie, in der Religion und Politik untrennbar miteinander verschmelzen, wird der Abschied vom Obersten Führer zur Demonstration iranischer Stärke, religiöser Bindung und politischer Mobilisierungskraft inmitten des Krieges. Eine Reportage von der Beisetzung Ali Khameneis im Herzen des schiitischen Irans.
Maschhad, Iran, 9. Juli 2026. Das Erste, was man hört, ist Weinen. Die Stimme eines Mannes, die von Schluchzen und Seufzern unterbrochen wird, singt in ein Mikrofon eine langsame religiöse Klage, die über die ganze Stadt hinweg zu hören ist. Der Mann ist jung und vollständig schwarz gekleidet. Er steht auf dem Dach eines großen offenen Lastwagens, der sich langsam über die breite Straße bewegt, die vom Flughafen von Maschhad zum Heiligtum des Imam Reza führt – jenem heiligen Ort, um den herum diese Stadt entstanden ist und bis heute pulsiert.
Hinter ihm befinden sich zwei Särge auf der Ladefläche. In einem liegt die Leiche eines erwachsenen Mannes: Ali Khamenei, früherer Oberster Führer der Islamischen Republik. Der andere Sarg ist deutlich kleiner: der von Zahra, einem 14 Monate alten Mädchen, das gemeinsam mit Khamenei bei dem amerikanisch-israelischen Angriff vom 28. Februar getötet wurde. Dieser hat jüngste, bis heute andauernde Phase des Konflikts zwischen Iran, den Vereinigten Staaten und Israel ausgelöst.
An der Seitenwand des Wagens hängt ein großes Bild: Khamenei hält das Kind in seinen Armen. Um das Fahrzeug drängt sich eine riesige Menschenmenge. Die Menschen in den ersten Reihen drücken sich gegen die Seitenwand, strecken ihre Hände aus, berühren sie und küssen sie. Einige weinen, andere sprechen Gebete, wieder andere heben die geballte Faust in Richtung Himmel.
Weinende Frauen und trauernder Palästinenser. © Luca Steinmann.
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