
„Schüler haben Terminkalender wie Spitzenmanager“
Nun geht er wieder los: der Schulalltag. Dass sich dieser auch immer weiter ins Privatleben erstreckt, belastet Lehrer, Schüler und Eltern gleichermaßen. Die Entgrenzung vollzieht sich oftmals digital, aber nicht nur.
Die Schule fungiert als Spiegelbild der Gesellschaft. Alle sozialen Entwicklungen schlagen sich auch dort nieder.
Magdalena ist Mutter eines 12-jährigen Gymnasialschülers in Wien und möchte nur unter Pseudonym auftreten. Ebenso die anderen zu Wort kommenden Eltern, Schüler und Lehrer wollen lieber nur mit Vornamen genannt werden. Für Magdalena spielt dabei auch eine Rolle, dass das Lehrpersonal gegenüber Kindern eine gewisse Machtposition ausüben kann, wie sie erklärt. „Man sollte natürlich nicht alle in einen Topf werfen. Aber ich sage mal, jeder Lehrer weiß, dass er am längeren Ast sitzt. Man muss aufpassen, was man sagt als Elternteil, weil man immer irgendwo auch Angst hat, dass es dann auf das Kind zurückfällt, wenn man sich zu weit aus dem Fenster lehnt. Und das erschwert es teils auch, Dinge überhaupt aufs Tapet zu bringen.“
Fragt man bei Lehrkräften, Eltern und Schülern nach, so zeigt sich: eine kollektive Überforderung scheint um sich zu greifen. Eine kollektive Überforderung, die dazu führt, dass alle gegenseitig Druck aufeinander ausüben. „Ja, das sehe ich auch so“, stimmt Magdalena zu.
Chaotische Kommunikation
Aus Elternperspektive gestaltet sich der Schulalltag häufig chaotisch. „Jede Lehrperson kommuniziert auf andere Art und Weise. Der eine übermittelt die Aufgaben sowie Informationen via Teams, die andere schreibt es über WebUntis, und der nächste wieder formuliert es auf Papier. Und da soll sich noch irgendjemand auskennen?“, fragt die 35-Jährige rhetorisch und ergänzt: „Ich finde, man verlangt da zu viel von den Kindern. Selbst ich muss dann manchmal bei anderen Müttern anrufen und eine weitere halbe Stunde investieren, um überhaupt zu verstehen: Was will der Lehrer eigentlich? Und ich arbeite in einem Beruf, in dem ich tagtäglich Termine koordinieren muss. Und dennoch habe ich da so meine Schwierigkeiten.“

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