
Trump neben Putin in Banja Luka
Jahrelang galt die Republika Srpska im Westen als Problemfall: prorussisch, separatistisch, im Dauerstreit mit Sarajevo und dem mächtigen Hohen Repräsentanten. Unter Donald Trump hat sich das Klima verändert. US-Sanktionen fielen, und Banja Luka hat heute deutlich mehr Spielraum.
Als ich jüngst aus Richtung Prijedor nach Banja Luka fuhr, stieß ich am Straßenrand auf ein wenig Weltpolitik. Zwei Lokale liegen im Stadtteil Tunjice in unmittelbarer Nachbarschaft. Das eine heißt Putin, das andere Trump. Das Putin-Lokal eröffnete 2023 zunächst im Zentrum Banja Lukas; 2025 übersiedelte es. Im März dieses Jahres kam das Café Trump hinzu. Beide Lokale gehören demselben Betreiber, Saša Božić. Putin als Namenspatron überrascht in der Republika Srpska wenig. Aber ein US-Präsident? Trump ist die neue Zutat – und sie spiegelt den geopolitischen Wandel wider, der sich zurzeit anbahnt.
Die politische Führung in Banja Luka pflegt seit Jahren enge Beziehungen zum Kreml. Ihre prorussische Ausrichtung ist noch eindeutiger als jene Serbiens, das zwischen Brüssel und Moskau eine Balance zu finden versucht.
Den Konflikt der Republika Srpska mit dem Westen verkörpert kaum ein Politiker so sehr wie Milorad Dodik. Als er 1998 erstmals Ministerpräsident wurde, unterstützte ihn US-Außenministerin Madeleine Albright noch als moderaten Gegenentwurf zur damals dominierenden nationalistischen Führung um Radovan Karadžić. Nach seiner Rückkehr an die Macht 2006 stellte er immer schärfer Kompetenzverschiebungen nach Sarajevo infrage, näherte sich Moskau an und sprach wiederholt über Unabhängigkeit.
Putin bei einem Treffen mit Dodik im Juni 2022, wenige Monate nach Beginn des Ukraine-Kriegs. Der Handschlag war vielsagend. © CommonsWikimedia, Russische Präsidentschaftskanzlei.

Unbegrenzter Zugang zu allen Inhalten
Gratis Testabo für 4 Wochen
Ein Monatabo oder das
günstigere Jahresabo
Sie sind bereits Libratus-Abonnent?
Melden Sie sich hier an:

