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Kinga Szép Fidesz Aktivistin
Kinga Szép ist Aktivistin der Regierungspartei Fidesz. © Agnes Gomboc.

Ungarn vor der Schicksalswahl

Ein Wahlkampf wie ein Krieg – doch die Wähler bleiben ruhig: Bei der Ungarn-Wahl am 12. April geht es um die Zukunft Europas, nie wurde mit härteren Bandagen gekämpft. In den Medien und im Internet tobt eine Schlacht. Doch in Ungarns Provinz ist wenig Aufregung zu spüren. Eine Reportage.

Boris Kálnoky | Politik | 03. April 2026

Schauplatz Miskolc, Ostungarn. Wer diese Stadt gewinnt, so heißt es, stellt auch die nächste Regierung. Entsprechend heiß ist der Wahlkampf, Ministerpräsident Viktor Orbán war kürzlich hier und füllte einen der größten Plätze der Stadt mit seinen Anhängern.

„Er sah müde aus”, meint Zsolt Deme, der sich das ansah. Er ist Rentner, wie gut ein Viertel der ungarischen Wähler, und sieht sich an diesem kühlen Samstagmorgen die Bücher im Schaufenster der Buchhandlung Libri an. „Kein Wunder, dass Orbán erschöpft war”, meint Deme. „Am Morgen war er noch in Brüssel gewesen. Imposant, wie er alles gleichzeitig schafft, Regieren, Diplomatie, Wahlkampf”. Deme wird für Orbán stimmen: „Weil ich schon etwas älter bin und mich erinnere, wie es vor ihm war. Er hat das Land in Ordnung gebracht, alle haben mehr Geld, und Arbeit, international ist Ungarn wieder auf der Landkarte. Die ganze Welt spricht über uns. Es fühlt sich gut an”.

Wohl wahr, dass die ganze Welt über Ungarn spricht. Die Wahl am 12. April dürfte schicksalsprägend nicht nur für Ungarn sein, sondern für ganz Europa. Alle Welt versucht, Einfluss zu nehmen auf die Entscheidung der Wähler: US-Präsident Donald Trump wirft sein Gewicht für Orbán in die Waagschale, die Ukraine blockiert russische Öllieferungen über die Drushba-Pipeline, offenbar um vor der Wahl die ungarische Wirtschaft zu schwächen.

 Zsolt 2 webRentner wie Zolt Deme sind wahlentscheidend. © Agnes Gomboc.

In der EU wird die Theaterkulisse eines ungebührenden „russischen Einflusses” auf die Wahl aufgebaut, ein „Rapid Response System” der EU wurde aktiviert, um digitale Dienstleister zu zwingen, „Desinformation” zur ungarischen Wahl zu bekämpfen. Offen wird darüber geredet, Ungarn noch härter zu sanktionieren, falls Orbán noch einmal gewinnen sollte. Und Orbán selbst hat den Wahlkampf zu einer Frage von Krieg und Frieden erklärt: Sollte er verlieren, so warnt er, wird eine neue Regierung Ungarn zusammen mit der EU in den Ukrainekrieg hineinziehen.

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