Vom Schutz zur weltweiten Vorherrschaft
In der 2025 erschienenen National Security Strategy der USA wurde der Monroe Doktrin ein besonderer Stellenwert eingeräumt. Die Westliche Hemisphäre sollte fest unter der Vorherrschaft der Vereinigten Staaten bleiben. Kurz danach griffen die USA in Venezuela ein. Worum geht es in der Monroe Doktrin?
In der neuen Nationalen Sicherheitsstrategie wurde außerdem die 1823 erlassene Doktrin durch ein „Trump Corollary“, also um einen vom derzeitigen Präsidenten entworfenen Zusatz, ergänzt: demnach sollten die USA nicht nur gegen ausländische Mächte vorgehen, die sich in der Westlichen Hemisphäre einmischen, sondern auch gegen Narco- Terroristen, kriminelle Organisationen und illegale Migration, die destabilisierend wirkt. Entsprechend diesen neuen Leitlinien haben die US- Streitkräfte Anfang 2026 in Venezuela eingegriffen, den amtierenden Präsidenten Nicolas Maduro festgenommen, um ihn in New York vor ein Gericht zu stellen. Die Monroe-Doktrin ist also zentral für die Außenpolitik der USA, doch worum geht es darin eigentlich?
Der Inhalt der Erklärung
Am 2. Dezember 1823, auf den Tag genau 19 Jahre nach der Krönung Napoleons zum Kaiser der Franzosen und 25 Jahre vor der Krönung von Kaiser Franz Joseph I., hat der amerikanische Präsident James Monroe die Schwerpunkte seiner Außenpolitik vor dem Kongress dargelegt.
Dabei hat er zwei Prinzipien hervorgehoben: Einerseits betonte er, dass sich die Vereinigten Staaten nicht in europäische Konflikte einmischen wollen; andererseits forderte er, dass europäische Mächte alle Bestrebungen beenden, in der westlichen Hemisphäre Kolonien zu besitzen. Er kündigte auch an, die USA würden eingreifen, sollten die Europäer diese Grundsätze missachten. Die klare Botschaft lautete „Amerika den Amerikanern“, die Europäer müssen die Unabhängigkeit der Staaten Lateinamerikas respektieren.
Entscheidenden Einfluss auf die Formulierung dieser außenpolitischen Grundsätze, die später als „Monroe Doktrin“ in die Geschichte eingingen, hatte der damalige Außenminister (und spätere Präsident) John Quincy Adams. Adams war überzeugt, dass ganz Nordamerika Teil der Vereinigten Staaten sein sollte. Die Versuche, auch Kanada zu erobern, wurden nach dem Krieg von 1812- 1814 gegen England aufgegeben. Aber der Glaube an die „Manifest Destiny“, an die gestaltende Kraft der Vorsehung, war nach wie vor groß. Demnach sind die Vereinigten Staaten dazu bestimmt, den Kontinent zu beherrschen.
In diesem Sinne wurden Louisiana (1803) und Florida (1819) erworben, und Texas 1845 annektiert. In diesem Geist schrieb John Quincy Adams an den amerikanischen Gesandten in Madrid: „Man kann sich nur schwer der Vorstellung entziehen, dass Kuba eines Tages ein integraler Teil unserer Republik werden wird“. Und dem russischen Gesandten, Baron Tuyl, erklärte der Außenminister, dass „wir das Recht Russlands, sich weiter auf diesem Kontinent auszudehnen, energisch bestreiten und nicht länger tolerieren“.
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