Warten auf den Frieden der anderen
Während Iran und die Vereinigten Staaten einen Waffenstillstand erzielt haben, bleibt der Libanon der fragilste Schauplatz der Region – jener Ort, an dem ein Bruch dieser Vereinbarung am wahrscheinlichsten wäre. Sollte die Waffenruhe zwischen den beiden Mächten halten, könnte auch der Konflikt im Libanon an Intensität verlieren. Doch ebenso bleibt die umgekehrte Frage offen: Wird der Libanon selbst zum Faktor, der die USA und den Iran erneut in eine indirekte Eskalation hineinzieht? Eine Reportage.
Beirut. Im Libanon tobt immer noch ein Krieg, der weit über dieses kleine Land hinausreicht: ein internationaler Stellvertreterkonflikt, in dem Iran auf der einen Seite und die Vereinigten Staaten auf der anderen stehen, während sich vor Ort die israelische Armee – historisch eng mit Washington verbündet – und die Hisbollah, enger Verbündeter Irans, weiterhin direkt gegenüberstehen. Ob die Waffen schweigen, entscheiden nicht die Libanesen, sondern die Mächte hinter dem Krieg: Iran, Israel und die USA. Trotz des fragilen Waffenstillstands zwischen Washington und Teheran bleibt dieses gezeichnete Land am Mittelmeer das zentrale Schlachtfeld – kaum größer als Kärnten, geprägt von einer außergewöhnlichen Vielfalt an 18 anerkannten religiösen Gemeinschaften – ein Raum, dessen eigene Dynamiken fragile regionale Gleichgewichte sprengen und den gesamten Nahen Osten erneut in einen größeren Krieg ziehen könnten.
Ständiger Stellvertreterkrieg
Zwischen fragilen Gleichgewichten und immer wieder aufflammenden Spannungen haben sich die politischen Kräfte, die libanesische Gemeinschaften vertreten, seit Jahrzehnten mit regionalen und internationalen Mächten verbündet, von denen sie sich Schutz und Einfluss versprechen. So wurde der Libanon zu einem dauerhaften Schauplatz geopolitischer Konkurrenz und Konflikte – und ist es bis heute geblieben, geprägt auch von den wiederkehrenden Auseinandersetzungen zwischen Israel und der Hisbollah, einer politischen und militärischen Organisation der schiitischen Muslime.
Die Hisbollah ist vor allem im Süden des Landes entlang der Grenze zu Israel verankert, von wo aus sie regelmäßig israelisches Gebiet beschießt. Israel hat darauf mit einer erneuten militärischen Invasion in den Südlibanon reagiert, um eine Art Pufferzone zu schaffen und weitere Angriffe zu verhindern – und signalisiert zugleich, dass ein Rückzug auch im Fall eines Abkommens zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran nicht selbstverständlich ist. Damit bleibt die Lage im Libanon trotz der internationalen Gespräche höchst instabil, und im Süden dauern die Gefechte weiter an.
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