Wenn Todfeinde angreifen und Märtyrer entstehen
Der Iran ist ein islamischer Gottesstaat, die Tötung eines Führers ändert daher nichts Wesentliches am System. Doch was sind die Hintergründe des Angriffs der USA, was sind die Ziele? Welche geopolitischen Auswirkungen könnte er haben? Und wie realistisch ist ein Systemwechsel? Eine Analyse.
Um die Vorgänge im Iran zu verstehen, oder es zu versuchen, muss man den besonderen ideologischen Überbau kennen. Es handelt sich weder um eine Republik (auch wenn sie sich so nennt) noch um eine Monarchie und auch nicht um eine Diktatur im üblichen Sinn. Aus dem Selbstverständnis heraus handelt es sich um einen „Gottesstaat“, um die Realisierung des „Islamischen Staats“. Beschrieben wurde dieser vor mehr als vier Jahrzehnten von Imam Khomeini, nachzulesen in dem auf Deutsch übersetzten Buch „Der Islamische Staat“. Darin legt er dar, dass der Islam alle Bereiche des Lebens regle, auch die Politik. (Eine ausführliche Analyse seines Textes lesen Sie in hier im Libratus Magazin.)
Es gibt also keine Trennung von Religion und Politik, ja sogar der Krieg wird geregelt. Der Prophet selbst war ein Kämpfer, stellte damals schon Khomeini fest, und auch die Imame waren „Soldaten der Religion“, die töten und getötet werden. Er rief zum bewaffneten Dschihad gegen „Zionisten, Engländer und Amerikaner“ auf, damit die Gesellschaftsordnung dem Islam angepasst werden könne. Wie im Koran wird an mehreren Stellen dazu aufgerufen, Juden und Christen zu töten. Und man solle keine Angst haben, denn man könne bestenfalls als Märtyrer sterben für den Islam.
Allein aus diesem Selbstverständnis heraus ist es zweifelhaft, dass die Ausschaltung bzw. Tötung des Anführers Ayatollah Ali Chamenei einen Regimewechsel herbeiführen kann. Für die Anhänger ist jedoch ein Märtyrer geschaffen, und sein Sohn steht schon bereit neben anderen Anwärtern. Einen selbstdefinierten Gottesstaat kann man nicht beenden, indem man einen Menschen eliminiert. Ganz zu schweigen vom Völkerrecht und der Rolle der UN, die negiert wurden.
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