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Straße in Belém, Brasilien
Avenida Portugal in Belém, Brasilien. © CommonsWikimedia, Paul R. Burley.

Wie Merz in Brasilien Wunden aufreißt

Ein Satz des deutschen Bundeskanzlers über den Austragungsort der Klimakonferenz in Belém löste einen Sturm der Entrüstung aus: Von Kolonialismus ist die Rede und westlicher Überheblichkeit. Die Brasilianer reagieren getroffen, aber erkennen die Realität. Sie verschließen vor den Problemen ihres Landes nicht die Augen – denn die sind nicht zu übersehen. Eine Reportage.

Isabel Lochbühler | Politik | 28. November 2025

Der Klimagipfel erscheint als gescheitert. Die 197 Teilnehmerstaaten hatten die Hoffnung, dass vom 30. Weltklimagipfel in der brasilianischen Amazonas-Millionenstadt Belém die folgende Botschaft in die Welt hinausgetragen würde: Man habe sich auf eine gemeinsame Strategie geeinigt, um fossile Brennstoffe zu verbannen und ärmere Nationen finanziell bei diesem Vorhaben zu unterstützen. Eine nach Ende des Gipfels veröffentlichte vorläufige Vereinbarung enthält allerdings keinen einzigen Satz darüber. Die USA nahmen gleich gar nicht teil. Und die meisten der Gipfelteilnehmer, vor allem Regierungschefs der Staaten, die die Klima-Konvention der Vereinten Nationen unterschrieben haben, reisten bereits einen Tag vor Ende des Gipfels ab.

So auch Friedrich Merz, der deutsche Bundeskanzler. Er verbrachte nur einen Tag in Belém, schipperte über den Amazonas, war aber sonst nur im eigens für das Treffen gebauten und abgeschotteten, klimatisierten Konferenzzentrum zu Gast. Nach seiner Rückkehr hielt er in Berlin eine Rede vor Handelsvertretern. Dort ließ er mit einem Sager aufhorchen, der zurück nach Belém und bis in die brasilianische Hauptstadt Brasília hallte:

„Wir leben in einem der schönsten Länder der Welt. Ich habe einige Journalisten, die mit mir in Brasilien waren, gefragt: Wer von euch würde denn gerne hierbleiben? Da hat keiner die Hand gehoben. Die waren alle froh, dass wir vor allen Dingen von diesem Ort, an dem wir da waren, in der Nacht von Freitag auf Samstag wieder nach Deutschland zurückgekehrt sind.“ Seitdem ist die Empörung groß.

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