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Bushaltestelle mit Rassentrennung USA 1940
Bushaltestelle mit Rassentrennung im US-Bundesstaat North Carolina 1940. © CommonsWikimedia, Jack Delano.

Wokeness an den Universitäten

Richtlinien für ein Gender-konformes Zitieren, Forderungen nach Quoten für marginalisierte Gruppen und einseitig ausgerichtete Lehre: Die woke Ideologie greift an Universitäten die Meinungsfreiheit an und verhindert den der Wissenschaft inhärenten Diskurs. Ein Blick auf Österreich, Deutschland, Brasilien und die USA.

Isabel Lochbühler | Gesellschaft | 05. Dezember 2025

Der Begriff „Wokeness“ hat seinen Ursprung in den afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegungen der Sechziger Jahre in den USA. Ursprünglich bedeutete er „aufgewacht, aufgeklärt oder bewusst“ hinsichtlich sozialer Ungleichheit. Diese zeigte sich damals für die Afroamerikaner in Form von Polizeiübergriffen, fehlenden Minderheitenrechten und systemischer Benachteiligung aufgrund der Hautfarbe. Die Segregation war in den Südstaaten gesetzlich verankert, Schwarze mussten sich an öffentlichen Orten getrennt von der weißen Bevölkerung aufhalten. Erst 1964, mit der Verabschiedung des „Civil Rights Act“, wurde die Rassentrennung per Gesetz verboten.

Die „Woke“-Bewegung hatte es sich zum Ziel gemacht, systembedingte Benachteiligung zu benennen, die Gesellschaft dafür zu sensibilisieren und ihr entschlossener zu begegnen. Heutzutage wird der Begriff für progressive Politik und Identitätspolitik von Links verwendet. Diese Selbstbeschreibung drückt aus, dass man soziale Paradigmen hinterfragt und bekämpft. Konservative hingegen konnotieren ihn negativ und verwenden ihn sarkastisch: Worte wie „Cancel Culture“ (Zensurkultur), „politische Korrektheit“, „Gutmensch“ oder „Social Justice Warrior“ (Kämpfer für soziale Gerechtigkeit) werden für das Bestreben der woken Ideologen verwendet, ihr Gedankengut in die breite Mitte der Gesellschaft zu bringen, sowie den Diskurs und damit die öffentliche Meinung zu bestimmen.

Black Lives Matter movement in Austria Wien Alserstrasse bei Uni Campus social justice warriors Juli 2020 Ivan Radic webSocial justice warriors: Die Black Lives Matter Bewegung erreichte auch Österreich - obwohl hier keine Rassentrennung herrschte und es in der Geschichte nie Kolonien besaß. Hier eine Demonstration in der Wiener Alserstraße beim Uni Campus im Juli 2020. © CommonsWikimedia, Ivan Radic.

Der katholische US-Philosoph Edward Feser und Dekan der St. Louis University definiert „Wokeness“ folgendermaßen: „Wokeness ist eine paranoide, wahnhafte, hyper-egalitäre Denkweise, die dazu neigt, Unterdrückung und Unrecht zu sehen, wo diese nicht existieren, oder diese stark zu übertreiben, wo sie existieren.“ So sind die Debatte über die Anzahl der Geschlechter oder die Behauptung, dass das unterschiedliche Vermögen von Menschen unterschiedlicher Hautfarbe ein Systemversagen sei, Beispiele für eine Diskussion mit woken Elementen.

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