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medienfoerderung

Rudolf Taschner, Univ.Prof. für Mathematik und Wissenschaftsvermittler. © CommonsWikimedia, R. Taschner.

Zensur statt Ehrung

Ein neues Pharisäertum macht sich breit. Diese sind woke und stemmen sich gegen Zweifel oder gar Selbstzweifel. Entgegen dem Ideal der Meinungsfreiheit Voltaires dürfen Dogmen wie Gendern oder Klima nicht mehr hinterfragt werden. Auch nicht von Wissenschaftlern. Sonst drohen Sanktionen, Ausgrenzung und Zensur. Die neue Gedanken-Tyrannei am Beispiel des Mathematiker Rudolf Taschner seitens der Uni Wien.

Eva Pfisterer | Gesellschaft, Wissenschaft | 26. Juni 2026

Der Mathematiker Rudolf Taschner, Wissenschaftssprecher der ÖVP im Parlament, hätte 50 Jahre nach seiner Promotion an der Universität Wien für seine unbestreitbaren Verdienste ein Goldenes Doktordiplom bekommen sollen. Fakultät und Rektorat sprachen sich dafür aus. Der Senat der Universität Wien lehnte diese Verleihung wegen Taschners kritischen Äußerungen zum Gendern und zum Klimawandel ab. Der Senat war schon zuvor gegen die Aufstellung einer Büste für Kurt Gödel, des nach den Worten Einsteins „größten Logikers seit Aristoteles“, im Hof der Alma Mater - was auch an der renommierten Universität Cambridge für Kopfschütteln sorgte.

Angeregt hatte die Verleihung des Goldenen Doktordiploms an Rudolf Taschner die Fakultät für Mathematik. Dort hatte Taschner 1976 promoviert. 

Karl Sigmund, Prof. für Mathematik an der Universität Wien, selbst überschüttet mit Ehrendoktorwürden und der Blaise Pascal Medaille für Mathematik, Pioneer der evolutionären Spieltheorie, der es wie Taschner verstand, Mathematik und Philophie anschaulich zu verbinden, sagt gegenüber Libratus, er war von „Anfang an hingerissen vom „math.space“, Rudi Taschners ureigenster Schöpfung. „Ich kenne“, sagt der selbst hochdekorierte Sigmund, „nicht wenige begnadete Wissenschaftsvermittler, aber Taschners Vorträge in math.space waren etwas wirklich Besonderes und gehen mir heute noch ab.“ 

Martin Karplus Nobelpreisträger für Chemie Ehrenbürger von Wien Marci Karplus Bianca und Prof. Rudolf Taschner CommonsWikimedia FJ Morgenbesser webMartin Karplus, Nobelpreisträger für Chemie Ehrenbürger von Wien, Marci Karplus, Bianca und Rudolf Taschner (v.l.n.r.). © CommonsWikimedia, FJ Morgenbesser.

Und dem Ideal der Meinungsfreiheit Voltaires verpflichtet, sagt Sigmund: „Ich teile nur ein knappes Drittel der Meinungen von Rudolf Taschner. Genau deswegen finde ich jedes Gespräch mit ihm anregend und bereichernd. Lebende Wissenschaft lebt ja vom Infragestellen, Bezweifeln, Widersprechen“. Sigmund argumentiert ähnlich wie Voltaire, der vor knapp 300 Jahren Ähnliches geschrieben hat. Auch wenn folgendes Zitat mittlerweile der britischen Autorin Evelyn Beatrice Hall zugeschrieben wird, bringt es doch Voltaires Denken sehr schön auf den Punkt: „Ich missbillige, was Du sagst, aber ich werde bis auf den Tod dein Recht verteidigen, es zu sagen.“

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