
Der Verlust des Neutralen und des Zweifels
Sowohl gesellschaftlich als auch politisch gibt es einen klaren Trend, ja, einen regelrechten Zwang: Ständig muss man sich bekennen. Auf der Strecke bleiben Differenzierung und Zweifel.
Bevor man seine Gedanken zu einem Thema ausführt, muss man sich gegen oder für etwas deklarieren, um sich nicht verdächtig zu machen. Firmen brauchen ein „Mission statement“, bevor sie ihr Produkt anbieten. Ein Muss dabei ist derzeit das Bekenntnis zu Nachhaltigkeit und Diversität. Es werden Bekenntnisse erwartet, die eindeutig sind, klar, unzweifelhaft. Selbst wenn man sich aufgrund mangelhafter Fakten, Informationen und Zeit noch gar keine Meinung bilden konnte. Es geht ja auch gar nicht um das Resultat einer wohlüberlegten Meinungsbildung. Es geht um ein Bekenntnis, es geht also um eine Glaubensfrage in einem quasi-religiösen Sinn. Je weniger Religion, desto mehr Bekenntnis in anderen Bereichen, scheint es.

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