
„Die Ungleichheit wächst wieder!“
Wie sieht ein Nobelpreisträger aus den USA die aktuelle wirtschaftliche und politische Lage? „Libratus“ traf Joseph Stiglitz in Alpbach zum Interview.
2001 wurde Stiglitz mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet. Er war Vorsitzender des „US-Council for Economic Advisers“, sowie Vizepräsident und Chefökonom der Weltbank. Mit 81 Jahren kämpft Joseph Stiglitz, Professor an der Columbia University, noch immer gegen die Ungleichheit, gegen die zunehmende Kluft zwischen Reich und Arm. Und das nicht nur aus moralischen Gründen. Denn die Superreichen behindern seiner Ansicht nach das Wachstum, haben Einfluss auf Justiz und Politik und zerstören dadurch die Demokratie. Noch schlimmer: Diese große Ungleichheit von Einkommen, Möglichkeiten im Leben, Zugang zu Bildung und Gesundheitsleistungen, führten zu einem fruchtbaren Feld für Demagog.
Dabei verdüstert sich das lebhafte Gesicht von Stiglitz, der auf der sonnigen Terrasse des Alpbacher Hofes in Tirol sitzt: "Als ich diese Theorie vor zehn Jahren in meinem Buch "Der Preis der Ungleichheit" schrieb, konnte ich mirniemanden so Schlimmen wie Trump vorstellen", sagt Stiglitz im Interview mit „Libratus“. In den USA seien alle Zuwächse in den letzten Jahren an die kleine Schicht von Milliardären gegangen. Die hart arbeitenden Menschen würden leer ausgehen. Die Reallöhne seien heute niedriger als vor siebzig Jahren, die Lebenserwartung der weißen amerikanischen Männer sinke. Ein Nährboden für den nächsten Demagogen?

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