Zum Hauptinhalt springen
bunte T-Shirts auf einer Wäscheleine
© Bild:123RF Bildagentur; Mike Filippo.

Die Wäsche

Die Anwesenden bei der Münchner Sicherheitskonferenz sahen ziemlich dumm aus der Wäsche. Das hindert sie nicht daran, dann öffentlich Schmutzwäsche zu waschen. Eine ironische Betrachtung des Zeitgeschehens.

Walter Posch | Kommentar | 21. Februar 2025

Kleidung ist ein existenzielles Grundbedürfnis wie Nahrung und Wohnung. Dementsprechend zentral war und ist sie im Alltag nicht nur notwendiger Schutz vor Kälte, sondern erfüllt auch soziale Zwecke. „Kleider machen Leute“ nennt sich beispielsweise eine Novelle Gottfried Kellers, die des Menschen Vorliebe für Äußerlichkeiten karikiert als Ausdruck von Schein und Sein.

Mit dem Vorgang der Säuberung wird aus der Kleidung Wäsche, die nicht nur unterschiedlichen Waschprozessen unterliegt, sondern sich als Gesamtheit aller waschbaren Textilien versteht. Auf diese Weise werden ganz selbstverständliche Säuberungsvorgänge wie „Schmutzwäsche waschen“ im übertragenen Sinn im politischen Feld eher pejorativ konnotiert. Der Volksmund sagt dazu gerne „sich das Maul zerreißen“, ein sehr häufiger und beliebter Vorgang, der ganz ohne Wasser und Waschmittel auskommt.

Oft schauen die Betroffenen dann „ziemlich blöd aus der Wäsche“, und manchmal fallen die genannten Redewendungen auch zusammen, wie zum Beispiel bei politischen Gipfeltreffen, wo der Widerspruch zwischen Sein und Schein in feinem Zwirn sich zeigt, und die verschiedenen Säuberungsvorgänge oft in schädigende und nicht selten auch selbstschädigende Aktionen münden, sodass am Ende alle Darsteller und vereinzelt Darstellerinnen ziemlich intelligenzbefreit in Reih und Glied aus ihrer noblen Wäsche schauen.

Unbegrenzter Zugang zu allen Inhalten

Gratis Testabo für 4 Wochen
Ein Monatabo oder das
günstigere Jahresabo

Sie sind bereits Libratus-Abonnent?
Melden Sie sich hier an: