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© Bild:123RF Bildagentur; Fesus

Liegt Ungarns Zukunft im Westen? Oder im Osten?

 Ministerpräsident Orbán hat eine Debatte angestoßen, wie und wohin sich Ungarn künftig entwickeln und orientieren soll. Eine Analyse zur „großen Strategie“ Ungarns für die nächsten Jahrzehnte.

[Deutsch] [Magyar]

Boris Kálnoky | Kommentar | 20. September 2024

Am 27. Juli 2024 hielt der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán eine inhaltlich bedeutsame Rede. Er analysierte, wie sich seiner Meinung nach die Welt bis 2050 verändern würde und was dies für Ungarn bedeute. Das Land benötige eine „große Strategie“, um geopolitische Veränderungen zu bewältigen, die so grundlegend seien, dass sie die größte Herausforderung für die westliche Welt – und auch für Ungarn – seit 500 Jahren darstellten, meinte er. Die beiden Weltkriege seien enorme Herausforderungen innerhalb des Westens gewesen. Jetzt stelle der Aufstieg Asiens, vor allem Chinas, aber auch Indiens und anderer Länder, zum ersten Mal die westliche Vorherrschaft in Frage – und Ungarn müsse entscheiden, was es in dieser Lage tun wolle. Orbán sagte auch, dass sein „politischer Direktor“ Balázs Orbán (kein Verwandter) mit der Ausarbeitung dieser Strategie beauftragt sei. Der Transparenz halber: Balázs Orbán ist mein Vorgesetzter am Mathias Corvinus Collegium in Budapest. Ich formuliere hier dennoch meine persönlichen Ansichten. 

Zsolt Németh, der Vorsitzende des außenpolitischen Ausschusses des ungarischen Parlaments, hat eine öffentliche Debatte zu diesem Thema angestoßen. Diese meine Analyse entstand ursprünglich als ein Beitrag zu dieser Debatte.

Ungarns Regierung legt großen Wert auf strategisches Denken und langfristige Planung. Es ist dieses strategische Denken, das es dem kleinen Land mit weniger als zehn Millionen Einwohnern und wenigen natürlichen Ressourcen ermöglicht hat, die internationale Debatte in Fragen wie Migration oder Familienpolitik zu dominieren und eine Vorreiterrolle einzunehmen. Es kann gut sein, dass die ungarische Haltung zum Krieg in der Ukraine (ein Ende des Krieges, auch mit Opfern, kann für die Ukraine besser sein als eine Fortsetzung) im Laufe der Zeit ebenfalls zu einer Mainstream-Position wird. Aber es kann auch furchtbar schief gehen, wie Zsolt Németh in einem Vortrag in Tusványos im Jahr 2023 dargelegt hat: Ungarn könnte in einer neuen Weltordnung auf der Verliererseite landen, als Verbündeter Russlands wahrgenommen und dafür bestraft werden.

Wie könnte also eine „große Strategie“ für Ungarn aussehen?

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