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Banknoten fallen auf Haufen
© Bild:123RF Bildagentur; Kirill Cherezov.

Ökonomie als die Kunst des Abwägens

„Koste es, was es wolle!“ Diese Maxime ist allgegenwärtig. Wer Maßnahmen kritisierte oder die behauptete Dramatik hinterfragte, wurde diffamiert. Die Folgen sind verheerend. Ein Plädoyer für ein wirtschaftspolitisches Vieleck.

Gregor Hochreiter | Kommentar | 10. Januar 2025

„Unsere Prognosen deuten auf eine unerbittliche Kombination aus niedrigem Wachstum und hoher Verschuldung hin. Auf uns wartet eine schwierige Zukunft.“ Mit diesen Worten kommentierte die Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Kristalina Georgiewa, Mitte April die herausfordernde ökonomische Lage. Neu war, dass sich diese Ausführungen gerade auch auf die Industrieländer bezogen hatten, nicht mehr nur auf die Entwicklungsländer wie in früheren Jahrzehnten. Ein Grund für diese Mahnung liegt in einer Haltung, die seit 2012 en vogue geworden ist.

„Koste es, was es wolle“, im englischen Original „Whatever it takes“. Diese staatliche und zentralbankliche Exzesse rechtfertigenden Notstandsklausel formulierte vor mehr als zehn Jahren der damalige EZB-Präsident Mario Draghi zur Beruhigung der Finanzmärkte während der Euro-Staatsschuldenkrise. Seither ist diese Maxime allgegenwärtig. In der Corona-Pandemie hatte der damalige Bundeskanzler Sebastian Kurz diese Worte in den Mund genommen. In der Bekämpfung des Klimawandels herrscht dieselbe Grundhaltung. Im Falle einer existenziellen – oder auch nur eingebildeten existenziellen – Krise wäre alles erlaubt. Wer Maßnahmen kritisiert oder die behauptete Dramatik hinterfragt, wurde und wird nicht inhaltlich gestellt, sondern diffamiert und ausgegrenzt. Vor den fiskalischen Trümmern dieser Haltung stehen wir jetzt.

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