Zum Hauptinhalt springen
Drei Windräder eines Windparks vor tiefblauem Himmel und Schleierwolken am Horizont
© Bild: 123 rf photostock

Windräder – Lösung oder Teil des Umwelt-Problems

In der EU gelten Windräder neben der Nutzung von Sonne als Ausweg aus der „Klimakrise“. Sie seien emissionsfrei und umweltschonend. Doch stimmt das wirklich?

Gudula Walterskirchen | 09. September 2024

261 Meter hoch sind die neuen Windräder mitten im Schwarzwald im deutschen Baden-Württemberg, gar 285 Meter sollen sie im niederösterreichischen Horn werden - fast gleich hoch wie der Pariser Eiffelturm und somit die höchsten weltweit! Immer mehr und immer höher werden die Windräder, immer größer die Windparks, immer mehr Energie sollen sie liefern. Einsprüche der Bevölkerung fruchten nichts, denn es geht um ein hohes Ziel.

Windenergie soll dazu beitragen, dass in der EU die CO2-Emissionen gesenkt und fossile Energie ersetzt werden kann. Die EU-Kommission will innerhalb von nur zehn Jahren den Anteil an Erneuerbaren an der Gesamtenergiegewinnung von 20 auf 45 Prozent mehr als verdoppeln. Österreich will gar bis 2030 seine gesamte Stromproduktion auf Erneuerbare umstellen. Tatsächlich boomt die Windenergie, sie ist auch ein lukratives Geschäftsmodell geworden.

Trotz dieses hehren Anspruchs wächst gleichzeitig der Widerstand gegen die Windparks in ganz Europa. Bürger wehren sich gegen Windräder vor ihrer Haustür, Gemeinden proben den Aufstand. Die Argumente sind vielfältig: Windräder würden sehr wohl die Umwelt belasten, seien nicht emissionsfrei und könnten der Gesundheit von Mensch und Tier schaden. Sie könnten fossile Energie nicht ersetzen und förderten die Abholzung des Regenwaldes. Was ist dran an dieser Kritik?

Windräder verursachen im Betrieb zwar kein CO2, jedoch zahlreiche andere Emissionen. Da sind einmal die Infraschall-Wellen, die durch die Rotation erzeugt werden. Befürworter der Windparks argumentieren, Infraschall sei unschädlich und würde auch vom Autoverkehr oder von Meereswellen erzeugt. Das stimmt zwar, greift allerdings zu kurz. Denn es gibt verschiedene Arten von Infraschall. Beim nicht-pulsierenden Infraschall, bei dem die Schallwellen unstrukturiert sind und sich überlagern, wie eben beim Meeresrauschen, ist tatsächlich keine Gesundheitsschädigung nachweisbar. Ganz im Gegenteil können diese sogar entspannend wirken, wie etwa auch die Musik eines klassischen Orchesters. Im Gegensatz dazu stehen die gepulsten Infraschallwellen. Sie können sehr wohl zu Beeinträchtigungen bis hin zu schweren Gesundheitsschäden führen. Dies ist etwa auch bei extrem verstärkter Schlagzeugmusik der Fall. Jeder, der schon einmal knapp vor einem Lautsprecher bei einem Popkonzert gestanden hat, selbst wenn man Gehörschutz trägt, kann dies bestätigen. Man kann die Schwingungen und einen Druck auf der Brust deutlich fühlen.

Infraschall schwächt die Herzkraft

 

Dasselbe gilt für die riesigen Windräder, wenn sie sich drehen. Man hört dabei zwar nur eine Art Rauschen, doch die wirkliche Gefahr sind jene Schallwellen, die man nicht hört. Dass die gesundheitliche Beeinträchtigung von Anrainern von Windparks nicht bloß eingebildet ist, konnte mittlerweile in Studien nachgewiesen werden.

Wobei bemerkt werden muss, dass ausgerechnet die größten Windpark-Errichter wie China oder Deutschland bisher fast keine Studien in Auftrag gegeben haben. Anders ist die Lage in Kanada, Australien und Neuseeland, wo intensiver geforscht wird. Der kanadische Wissenschaftler Robert V. Harrison von der Universität Toronto hat nach zahlreichen Untersuchungen eine Erklärung für das sogenannte „Wind Turbine Syndrome“. Dieses ist durch Symptome wie Schwindel, Übelkeit und Nystagmus - das sind unkontrollierte Bewegungen eines Organs, meist des Auges - gekennzeichnet. Das Syndrom fühlt sich an wie Seekrankheit. Die Erklärung dafür: Der Infraschall drückt auf das Innenohr, was bei empfindlichen Menschen zu Störungen des Gleichgewichtsorgans führt.

Auch auf das Gehirn können diese Art von Infraschallwellen Auswirkungen haben. Wissenschaftler um Simone Kühn am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) untersuchten die Wirkung von Infraschall auf das Gehirn von Probanden mithilfe funktioneller Magnetresonanztomografie. Das Ergebnis: Im Ruhezustand veränderte sich durch den Infraschall die neuronale Aktivität des Gehirns. Es wurde aktiviert ähnlich wie bei Konflikt- oder Stresssituationen. Einem gesunden Schlaf ist diese Aktivierung jedoch nicht zuträglich, was die oft berichteten Schlafstörungen bei Anrainern erklärt.

Infraschall wirkt nicht nur über das Ohr, sondern auch über die Haut. Es können dadurch ganze Organe in Schwingungen geraten. Damit kann auch die Herzaktivität durch Infraschall beeinträchtigt werden, etwa in Form von Herzrhythmusstörungen. Forscher der Uni Mainz um Professor Christian Friedrich Vahl haben nachgewiesen, dass sich bei Beschallung mit gepulstem Infraschall die Aktivität des Herzmuskels um bis zu 20 Prozent reduziert.

Was das konkret für Auswirkungen hat, dafür fehlen noch die Daten, denn die Forschung dazu wird weder in Deutschland noch in Österreich finanziert. Studien dazu gibt es etliche, allerdings meist auf polnisch und russisch, was zur Folge hatte, dass sie im deutsch- und englischsprachigen Raum bisher ignoriert wurden. Aber man kann sich vorstellen, dass bei einer dauerhaften Belastung durch Infraschall, der man in der Nähe von Windrädern ausgesetzt ist, dies vor allem bei ohnehin beeinträchtigten Menschen gefährlich werden kann. Die gesundheitliche Beeinträchtigung von Infraschall ist in der Arbeitsmedizin hingegen schon lange ein Thema. Diese Erkenntnisse werden beim derzeitigen massiven Ausbau überhaupt nicht berücksichtigt, ja nicht einmal diskutiert. Im Gegenteil sollen durch das „vorrangige öffentliche Interesse“ Anrainer und Gesundheitsexperten überhaupt keine Bedenken anmelden und keinen Einspruch mehr erheben dürfen.

 Austrocknung des Bodens durch Mega-Parks

An Land errichtete Windparks führen ab einer gewissen Größe zur Austrocknung des Bodens. Dies ergab eine US-Studie eindeutig. Durch das Drehen der Rotoren mit bis zu 60 Metern Länge, also 120 Metern Durchmesser, werden die bodennahen Luftschichten durcheinandergewirbelt. Es entsteht ein starker Luftstrom. Normalerweise führen die unterschiedlichen Temperaturen unmittelbar am Boden und etwas darüber zur Entstehung von Tau. Dies wird so verhindert. Windparks verändern somit das lokale Wetter, wie eine weitere US-Studie aus 2010 nachwies.

Auch gibt es eine Art Föhn-Effekt, der den Boden zusätzlich austrocknet. Von der Bodenversiegelung durch Betonsockel und Zufahrtsstraßen, sowie von den Rodungen, wenn Windräder in Waldgebieten aufgestellt werden, ganz zu schweigen. Windparks sorgen nicht nur für trockenere Böden, sondern erwärmen sie auch nachweislich. Die US-Studien zeigten folgendes: Windkraftanlagen erzeugen Strom, indem sie kinetische Energie erhalten, was Winde verlangsamt und den Austausch von Wärme und Feuchtigkeit zwischen der Oberfläche und der Atmosphäre verändert. Windkraftanlagen verändern also das lokale Klima. Die Studie wies nach, dass die untersuchten US-Windparks an Land die kontinentale Bodentemperatur um durchschnittlich 0,24 Grad Celsius erhöhen. Am deutlichsten ist die Erwärmung in der Nacht. Die klimatischen Auswirkungen variieren je nach Lage und Größe der Windparks. Generell fanden die Forscher heraus: Je größer die Windparks und je höher die Windräder und je größer die Rotoren, desto gravierender sind die Effekte, also die Erwärmung und Austrocknung des Bodens.

In der Studie maß man eine Temperatursteigerung von bis zu zwei Grad! Dem steht gegenüber, dass durch den vermehrten Einsatz erneuerbarer Energie wie eben der Windkraft die Erderwärmung von zwei Grad und mehr eigentlich verhindert werden soll.

Ein weiterer, bisher nicht beachteter Aspekt, ist die Fertigung der Windräder. Thematisiert wurde bereits, dass die Materialien, mit denen die Rotoren beschichtet sind, nicht recycelbar sind. Es handelt sich um eine Kunststoff-Metall-Verbindung. Der Kern der Rotoren besteht jedoch, was kaum bekannt ist, aus Holz, und zwar aus einem ganz speziellen, ultraleichten Holz, aus Balsa-Holz. Man kennt dieses von Modellflugzeugen, doch bei Rotoren dieser Größe werden enorme Mengen verarbeitet. Dieses Holz wächst nur in den Tropen, Hauptexporteur ist Mittelamerika. Durch die starken Preissteigerungen bei Balsaholz kam es in den vergangenen Jahren etwa in Ecuador zu großflächigen illegalen Rodungen von Tropenwäldern.
Ein großer Teil des Holzes ging nach China für deren Windkraftanlagen, ein kleinerer Teil nach Europa. Somit trägt der Windenergie-Boom zur Rodung der für das Weltklima wichtigen Regenwälder bei. Offiziell wird nur zertifiziertes Holz importiert, das nicht aus illegalen Rodungen stammt.

Kann Windenergie tatsächlich die fossile ersetzen? Das Problem bei Wind- und Sonnenenergie ist die Unbeständigkeit, dass sie nicht gleichmäßig verfügbar und nur unzureichend speicherbar sind. Somit kommt es zum sogenannten „Flatterstrom“, also zu gefährlichen Netzschwankungen. Um diese auszugleichen braucht es Kraftwerke, die mit Gas oder Öl betrieben werden. Dies bedeutet: Je mehr Strom aus Wind und Sonne erzeugt wird, umso mehr ausgleichende Kraftwerksenergie aus Öl und Gas bzw. Atomstrom sind nötig. Wenn also in Zukunft der gesamte Energiebedarf aus Erneuerbaren abgedeckt werden soll, dann ist dies nur ein Teil der Wahrheit. Dahinter steht genauso viel Energiemenge aus nicht-erneuerbaren. Ansonsten würde das Stromnetz zusammenbrechen und es bei Dunkelflaute keinen Strom geben. Und je mehr Erneuerbare zuliefern, desto höher wird das Risiko für Blackouts.

Somit bleibt die Bilanz zwiespältig. Erneuerbare sind bis zu einem gewissen Anteil positiv für die Umweltbilanz, ein zu großer Anteil ist jedoch kontraproduktiv. Somit sind die Heilsversprechen und enormen finanziellen Anstrengungen der Politik unrealistisch und letztlich kontraproduktiv.

 

Zum Weiterlesen:

Gudula Walterskirchen

Herausgeberin Libratus

Weitere Artikel aus der Rubrik ""